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Ein Schneckenhaus ins rechte Licht setzen


Ein Schneckenhaus ans Ohr halten.

Es rauschen darin die Erinnerungen.

Sie rauschen lauter als der Gesang des Zaunkönigs,

lauter als der Pfiff und das Hundebellen,

lauter als der Sonnenstrahl auf dem Wasser,

lauter als der Fleck, auf dem die Eiche fehlt,

lauter als durch die Löcher meiner Lungenflügel der Wind rauscht.


Ins leere Haus fällt die Sonne.

Da wird es finster auf der Erde.

Aus dem Schneckenhaus tropft das Licht auf den Weg.

Da, wo es hinfällt, schlüpft eine Schnecke aus dem Ei.

Ihr Haus ist zu klein für mich.


Windung um Windung, Wandlung um Wandlung

kroch ich einst

ins Gehäuse einer Wellhornschnecke.


Ich mache den Deckel zu und übersommere.


Dieser Text entstand in der Schreibwerkstatt in Loccum. Ich leite dort gemeinsam mit meinem Kollegen Peter Claus seit mehr als 10 Jahren Schreibwerkstätten an. Sein Impuls dazu hieß: Ein Schneckenhaus ins rechte Licht setzen. Sucht euch ein Schneckenhaus, geht damit in die Natur. Lauscht, riecht, fühlt, schaut und schmeckt, was um euch ist. Sucht einen Platz, an dem ihr das Schneckenhaus ins rechte Licht setzen könnt. Schreibt einen Text.




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© 2018 by Yvonne Zitzmann